Mittwoch, 3. Oktober 2018

Motivation

Wenn ich eine Leidenschaft für etwas Bestimmtes habe, bin ich höchst motiviert. Dann ist egal, ob es schon 23 Uhr ist, der Text, der mir eingefallen ist, will dann von mir aufgeschrieben werden. Die einstündige Fahrzeit zur Ensemble-Zirkusgruppe ist das Training dann auch wert, schließlich bin ich motiviert. Die Menschen in meinem Umfeld fragen mich nicht selten, wie ich es schaffe, so motiviert zu sein. Früh aufzustehen, wenn ich doch so lang schlafen könnte, Hausarbeiten vor Beginn der Semesterferien abzugeben, obwohl noch Zeit ist, und morgens joggen zu gehen. Ich denke, es liegt daran, dass ich die Energie dazu verspüre und daran, dass ich es will. Am liebsten hier und jetzt.

Wenn ich aber etwas machen muss, dass ich nicht mag, wie zum Beispiel die Unterlagen für die nächste Steuererklärung herauszusuchen, ist es viel anstrengender. Natürlich mache ich es trotzdem, nur ist die Motivation dementsprechend nicht so groß. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man insgesamt viel motivierter ist, wenn man sich klare Ziele setzt. Das kann heißen: "Ich möchte mein Studium beenden und danach in einer Firma arbeiten." Oder: "Ich möchte nach Brasilien reisen, deshalb melde ich mich zu einem Portugiesisch-Kurs an." Bestimmt fallen euch da auch einige Beispiele zu euch selbst ein, liebe Leser und Leserinnen. Um motiviert zu sein, muss man sich immer wieder fragen: "Warum mache ich das hier?" Normalerweise sollte das Ergebnis des eigenen Handelns dann motivierend. Schließlich werden wir uns bewusst, was wir unserem Tun bezwecken, ob es wirklich für uns selbst ist oder vielleicht auch durch Druck von außen. Wenn wir etwas tun, das wir selbst wirklich wollen und nicht Eltern, Lehrer oder Freunde, dann sind wir meist auch motivierter. Motivation ist nicht gleich Zwang.
Ist uns das Ziel aber gar nicht so wichtig oder so dringend ("Och, wir fahren irgendwann mal nach Brasilien, wenn die stressige Zeit nach der Arbeit vorüber ist, schauen wir dann mal die nächsten Jahre..."), dann ist die Motivation viel geringer, das tatsächlich auch umzusetzen. Da hilft es, sich selbst eine Deadline zu setzen: Wann mache ich das? Bis wann will das auf jeden Fall getan haben? Unentschlossenheit ist nämlich ein absoluter Motivationskiller und oftmals gefundenes Fressen für den gefürchteten inneren Schweinehund. "Irgendwann" ist keine Zeitangabe, die sich motivierend auswirkt.

Hindernisse bei der Bewältigung bestimmter Vorhaben gibt es eigentlich immer. Und sei es nur der Schritt, zum Telefonhörer zu greifen und einen Termin auszumachen, z.B. bei einer Sprachschule, um beim Beispiel zu bleiben. Doch Motivation hilft uns, mühelos über derlei Hindernisse zu springen. Wenn wir die Frage "Will ich das?", egal, ob im Job, beim Sport oder bei einer zu erledigenden Arbeit laut mit "Ja" beantworten können, sollten wir auch anfangen. Schnellstmöglich. Auch wenn wir es eher müssen als wollen, denn das, was hinter der Handlung steht, ein Haus, eine abgeschlossene Ausbildung oder eine erhalten gebliebene Gesundheit, wollen wir ja eigentlich doch. Auch, wenn es anstrengend vorher wird und wir nicht auf alles Lust haben, was der Weg dorthin mit sich bringt, zum Beispiel Bewerbungen schreiben.

Mir ist aufgefallen, je motivierter ich in einem bestimmten Bereich meines Lebens bin, desto mehr hat sich das auch auf andere Lebensbereiche ausgewirkt. Das heißt: Wenn wir einmal festgestellt haben, dass wir uns selbst motivieren können, ohne Druck von außen, können wir das überall anwenden - vorausgesetzt, wir wollen es. 
Motivation ist ansteckend. Auch gegenüber unseren Mitmenschen, die sich inspiriert fühlen, es uns gleich zu tun. Sie sehen ja, dass es bei uns funktioniert, wenn wir bei einer Sache motiviert sind. Wenn wir sehen, dass sich andere durch uns motiviert fühlen, bestärkt uns das noch einmal doppelt in unserem Tun- ein schöner Nebeneffekt. Ich glaube, dass Erfolg nicht allein mit Talent zu tun hat - sondern auch mit sehr viel Motivation, an etwas dranzubleiben.

Lachyoga

Kennt ihr das, wenn man einmal zu lachen anfängt und dann nicht mehr aufhören kann, obwohl der Bauch schon wehtut und man kaum noch Luft kriegt, aber trotzdem aus vollem Herzen lacht? Mir geht das oft so, wenn ich mit Freunden abends in der Runde sitze und einer von ihnen etwas Witziges erzähle. Kaum einkriegen kann ich mich auch, wenn J. und ich in unserer WG zusammensitzen und uns in Lashflashs hineinsteigern.
Es kommt auch vor, dass ich in der Bahn sitze und eine lustige Whatsapp-Nachricht bekomme, bei der ich laut losprusten muss und erstaunte Blicke von allen Seiten ernte. Eine Frau, die mir eines Abends in der Bahn gegenübersaß, sagte sogar zu mir: "Ich habe dich auf dem Bahnsteig gesehen, wie du gelacht hast. Das war schön."

Jedenfalls gab es etwas, das ich schon immer ausprobieren wollte: Lachyoga. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, dachte ich: "Was soll das denn bitte sein? Den Sonnenaufgang machen und dabei lachen, wie soll man das zusammenbringen?" und "Geht das überhaupt, dass man die ganze Zeit dabei lacht?". Ich stellte mir das auf jeden Fall schon ziemlich abartig vor.

Meine Freundin J. und ihr Freund begleiteten mich zu der Lachyogastunde, ein fetter Smiley an der Haustür wies uns den Weg. Wir waren die Jüngsten in der Runde, wärmten uns zusammen mit den anderen Teilnehmer/innen auf, indem wir Luftballons durch den Raum schubsten, und machten dann verschiedene Einheiten mit, bei denen wir oft "Ha-ha-ho-ho", sagten. Ja, zuerst sagten, was so komisch war, dass ich dann tatsächlich lachen musste. Am meisten konnte ich lachen, wenn ich zu J. und ihrem Freund hinübersah und unsere verschmitzten Blicke sich trafen. Zwischendurch, als die Runde eigentlich vergleichsweise still war, bekam ich so einen Lachflash, dass ich erst das Gefühl hatte, ich könnte nicht mehr aufhören. Dabei war der Moment nicht einmal lustig, trotzdem hatte ich das Gefühl, ich könnte einfach immer weiterlachen, wenn ich mich nicht absichtlich beruhigte. In der kurzen Pause erklärte uns die Lachyoga-Lehrerin, dass die Sitzungen gegen Depressionen helfen und dafür sorgen, dass man vom Alltag abschaltet und Stress loslässt.

Ich fand diese Gedanken zum Thema sehr interessant. Dass Lachen wohltuend für die Seele ist, wissen wir ja alle. Und nicht etwa ein aufgesetztes Lachen, mit dem wir fröhliche Stimmung simulieren wollen. Sondern ureigenstes, innerstes Lachen, dass vielleicht nicht nur niedlich klingt, sondern auch richtig dröhnend und laut sein kann. Das kommt bei uns meistens zum Vorschein, wenn wir unter Menschen sind, die uns gut tun, wenn wir uns gut fühlen und wenn wir ausgelassen sind. Solche Momente, denke ich, werden viel zu sehr unterschätzt. In Gesellschaft lachen wir ohnehin viel öfter als alleine. Wenn wir es aber auch schaffen, uns alleine zu erheitern, sei es mit einer lustigen Buchpassage oder, weil wir etwas Lustiges sehen, dabei laut loszulachen, ohne das jemand neben uns ist, ist das Gold wert. 
Auf die Frage meiner Freundinnen, wie es denn gewesen sei beim Lachyoga, antwortete ich: "Es war lustig."

Samstag, 21. Juli 2018

Gewaltfreie Kommunikation

Es nicht allzu lange her, dass ich mich in einem Seminar an meiner Uni mit dem Thema "Gewaltlose Kommunikation" beschäftigen sollte.
Wir sind alle Menschen, die von Menschen umgeben sind, und neben aller Wertschätzung und Zuneigung, die wir uns entgegenbringen können, ist da auch ein mächtiges Konfliktpotenzial. Diese Konflikte sind nicht immer gewaltfrei und damit meine ich nicht etwa, dass sich bei den Auseinandersetzungen geprügelt wird und körperliche Gewalt im Spiel ist.

Aggressive Rhetorik und Wortwahl können viel verletztender für das Gegenüber sein. Im Streit wird nicht selten ausgepackt, was sich gegen die andere Person verwenden lässt, das eigene Ego drängt sich mit Ellenbogen an die Oberfläche und ist dabei alles andere als nett und empathisch. In der Theorie der gewaltlosen Kommunikation wird zwischen Wolfssprache und Giraffensprache unterschieden. Der Wolf in seiner Position sitzt zum Angriff bereit, während die Giraffe mit ihrem langen Hals die Gesamtsituation überblickt und nicht nur die eigenen, verletzten Gefühle sieht. Zur Wolfssprache würde es gehören, wenn jemand sagt: "Du bist so scheiße, weil du das gemacht hast." Die Giraffe würde es eher so ausdrücken: "Ich finde, das was du gemacht hast, war nicht in Ordnung. Ich hätte mir gewünscht, dass du es so gemacht hättest...". Letzteres wäre gewaltfreie Kommunikation, wozu es gehört, den Eindruck aus der eigenen Perspektive zu schildern, den anderen nicht direkt zu verurteilen, nicht beleidigend zu sein und möglichst sachlich zu bleiben sowie die gesamte Situation kritisch unter die Lupe zu nehmen, ohne sein eigenes Ego zu sehr einfließen zu lassen.
Giraffensprache ist übrigens auch ehrlich, genauso ehrlich, wie Wolfssprache es vielleicht ist, jedoch auf weniger verletztende Weise.
Wenn jemand wütend ist, ist so was schwer, das kennt jeder bestimmt auch von sich selbst. Streiten an sich gehört dazu und sollte meiner Meinung nach auch nicht gemieden werden. Ich denke jedoch auch, dass sich vieles zum Positiven verändern kann, wenn Menschen mehr lernen, gewaltfrei zu kommunizieren.

Als ich in einem Feriencamp für Kinder arbeitete, holte mich einer der Jungs zu seinem Mittagesssens-Tisch und erzählte mir, er wäre von dem Jungen gegenüber von ihm als "dumm" beschimpft worden. "Stimmt das?", fragte ich den Jungen gegenüber. "Nein", erwiderte dieser. "Ich meinte nur, das, was du gemacht hast, war dumm." Die Aussage war vielleicht auch nicht die Sachlichste, aber schon ein großer Unterschied zu der Behauptung, er wäre dumm als Person. Gemeinsam versuchten wir, den Konflikt zu lösen. Im Stillen dachte ich mir: Eigentlich sind die Kinder durchaus in der Lage, gewaltfreier und weniger verletztend zu kommunizieren, sie halten sich nur nicht immer daran. Das Gleiche gilt für uns Erwachsene. Wir alle kennen den Moment, wo wir einfach nur den Mittelfinger heben wollen und schreien wollen: "Fuck you." Und in dem Logik, Vernunft und ein sachliches Friedensverständnis einfach mal egal sind.
Ein bisschen Wolf und ein bisschen Giraffe steckt in jedem von uns. Ich würde sagen, es kommt darauf an, welches von beiden wir mehr aus uns herauskehren.
Gewaltfreie Kommunikation wird nicht den Weltfrieden herbeiführen, ist aber ein wesentlicher Schritt, um Beziehungen zu reparieren und von Mitmenschen respektiert zu werden.

Mittwoch, 4. Juli 2018

Sich selbst treu bleiben

Es ist ein Jahr her, als ich mein Praktikum in einer sozialpädagogischen Mutter-Kind-Einrichtung machte. Als ich aus der Tür hinausging, mit jeder Menge Glückwünsche und Verabschiedungs-Bekundungen, sagte meine Chefin: "Bleib dir treu!".
Das habe ich keinesfalls vergessen und auch möglichst beherzigt, würde ich sagen.
Treue ist etwas, das wir prinzipiell von anderen erwarten, von unseren Freunden und Partnern. Da ist Treue meistens ganz selbstverständlich und hoch angesehen, ob sie nun praktiziert wird oder nicht. Doch wie steht es mit der Treue uns selbst gegenüber? Ich denke, sich selbst treu zu bleiben, ist genauso wichtig, wie den Menschen, die man liebt, treu zu sein.
Oft genug kommt es vor, dass Menschen es anderen recht machen wollen und dabei die eigenen Ziele aus den Augen verlieren, sich nicht mehr fragen: "Was will ich denn eigentlich?".

Dieses Sich-Selbst-Treu-Bleiben sollte nicht in Egoismus ausarten bzw. damit verwechselt werden. Wer sich selbst treu bleibt, dem sind die Menschen im Umfeld nicht einfach egal. Er verliert nur nicht aus dem Blick, auch für sich selbst zu sorgen. Denn wer in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen, sorgt in der Regel auch besser für andere, und nicht nur aus einem Gefühl der Abhängigkeit heraus.

Manchmal muss man andere Menschen gehen lassen, die einem nicht mehr gut tun und dem entgegenwirken, sich selbst treu zu bleiben.
 Beziehungen heutzutage scheitern nicht selten daran, dass die Partner sich treu bleiben wollen und lieber in ein anderes Land ziehen wollen, als die Beziehung aufrecht zu erhalten. In anderen Generationen vor uns spielte es keine Rolle, dass sich Menschen selbst treu bleiben wollten. Das Gemeinwohl bzw. das Wohl der Familie hatte oberste Priorität. Doch wir leben nun in einer Zeit, in der uns mehr denn je zugestanden wird, dass wir individuell und selbstständig sein dürfen, das, was wir wirklich sind. Zumindest wird es uns so suggeriert, Erwartungen und Druck von außen lasten trotzdem nicht selten auf uns, oft auch unbewusst.

Es ist eher die Frage, ob wir auch nach dieser Selbstständigkeit leben und bereit sind, unserem eigenen Weg zu folgen. Ob wir bereit sind, Dinge aufzugeben, die uns daran hindern, uns selbst treu zu bleiben. Das ist in der Realität oft schwieriger, als wir denken. Wer sich selbst treu sein will, muss sich erstmal mit sich selbst auseinandersetzen.
Diese Welt macht es uns auch nicht immer leicht, uns selbst treu zu bleiben, trotz aller Instagram-Motivationssprüche, die uns stündlich daran erinnern. Wir sammeln ununterbrochen Eindrücke, sehen, wie es bei anderen läuft, merken uns vor allem das, was gut läuft und befürchten, dass unser Weg vielleicht nicht der Richtige ist, weil es noch unzählige andere Wege gibt, wie wir es besser machen könnten. Wie in einem Labyrinth, in dem wir stehen und uns dabei selbst zu verlieren drohen.

Wenn eine Frau, die von anderen als übergewichtigt angesehen wird, sich selbst aber schön findet und sich in ihrem Körper absolut wohlfühlt, nicht wegen dem Druck ihres Umfeldes abzunehmen beginnt, dann ist das auch eine Art, sich selbst treu zu bleiben. Würde sie sich in ihrem Körper unwohl fühlen, wäre das etwas anderes, weil sie dann abnimmt, um sich selbst treu zu bleiben, nicht, weil andere es von ihr erwarten. Das ist ein großer Unterschied.

Montag, 28. Mai 2018

Die große Freiheit

Freiheit ist das, was in der heutigen Zeit hoch angepriesen wird und als höchst erstrebenswert gilt. Doch was ist Freiheit eigentlich? Ist man frei mit dem Erreichen der Volljährigkeit, sobald man selbstverantwortlich Formulare unterschreiben darf? Oder ist man frei, wenn man etwas tut, wovon dem man genau weiß, dass die Menschen in der Umgebung das nicht gut fänden? Bedeutet Freisein vielleicht auch, einer Arbeit nachzugehen, die man liebt? Hat Freiheit möglicherweise auch ein bisschen mit Egoismus zu tun? War es Freiheit, wenn unsere Mutter uns als Kind mit Freunden alleine draußen spielen ließ und wir nachhause kommen durften, wann wir wollten?

Freiheit ist ein großes Wort. Und so traurig es klingen mag, ich glaube, die wenigsten Menschen auf dieser Welt sind wirklich frei, ganz gleich, ob wir im 21. Jahrhundert leben. Vielerorts wird Freiheit als ein grundlegenes Menschenrecht angesehen. Doch so frei, wie der Mensch sich hält, ist er oftmals doch nicht - dazu unterwirft er sich zu sehr gesellschaftlichen Zwängen.
In anderen Ländern müssen Menschen darum kämpfen, frei zu werden und überhaupt ein selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen. Hier ist das nicht so- und doch fühlen sich viele nicht frei. Sie fühlen sich beispielsweise durch die Erwartungen ihrer Mitmenschen unter Druck gesetzt und denken, sie müssten ihrem Umfeld gerecht werden. Oftmals beeinflusst unser Umfeld - unsere Familie, unsere Freunde oder die Gesellschaft im Allgemeinen- uns mehr, als uns möglicherweise bewusst ist. Durch Werbung wird uns suggeriert, was gerade angesagt ist und was wir toll finden sollten.
Viele Menschen haben das Gefühl, sich und anderen etwas beweisen zu müssen oder fürchten sich davor, ihre Freiheit auszuleben. Freiheit ist schließlich auch mit Verantwortung verbunden und heißt auch, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Und sich manchmal nicht darum zu kümmern, was das Umfeld sagt. Sich für das Geschichtsstudium zu entscheiden, obwohl die Familie auf ein Jurastudium hofft, zum Beispiel. Eine große Reise anzutreten, auch wenn man nicht weiß, wohin sie einen führt. Das zu tun, was man eigentlich schon immer wollte, auch wenn man nicht weiß, wie es danach weitergeht. Das alles ist unsere persönliche Freiheit, doch der erste Schritt ist es, sich überhaupt erst zu erlauben, frei zu sein. Ich glaube, dass uns der Gedanke, frei zu sein, manchmal utopisch erscheint, obwohl wir diese Freiheit theoretisch besitzen.
Freiheit ist auch ziemlich subjektiv. Jeder hat eine andere Vorstellung davon, wie sich Freiheit anfühlt. Einen Job zu haben, den man liebt, kann auch als Freiheit empfunden werden. Oder an einem Ort zu wohnen, an dem alle paar Minuten eine Bahn fährt.
Freiheit kann so unterschiedlich interpretiert werden. Welche Art von Freiheit es jedoch auch sein mag: Meistens muss man sich selbst erst die Erlaubnis geben, sie zu nutzen, und sich ihrer bewusst machen. Und ja, ich würde sagen, selbst ein wenig gesunder Egoismus ist auch dabei.

Sonntag, 20. Mai 2018

Ich und Pädagogik

Es ist inzwischen fast zwei Jahre her, dass ich mich dazu entschieden habe,  tiefer in die Pädagogik und die soziale Arbeit einzusteigen. Da kommt ab und zu die Frage auf, warum ich studiere, was ich studiere. Pädagogik und Erziehung klingt schnell nach Schulbank drücken und nach Regeln. Dabei sind die Ziele viel komplexer und tiefgehender. Wir Erziehungswissenschaftler arbeiten mit Menschen und meistens haben wir das Anliegen, etwas zu verändern. Wie z. B. meine Freundin H., die sich für die Schulbildung in Afrika einsetzt.

Einen Bezug zu zwischenmenschlicher Kommunikation und dem Umgang mit Menschen verschiedener Art sollten wir im Normalfall haben, wenn wir uns entschieden haben, zu Erziehungswissenschaftlern zu werden. Wenn wir Kindern etwas lehren bzw. etwas dazu beitragen, dass sie beschützt aufwachsen, dann tragen wir damit einen Teil zur Zukunft bei. Und setzen da an, wo es früh genug ist, wo man die Basis schaffen kann für die gelungene Entwicklung eines Menschen.
Das heißt nicht, dass wir nur auf Kinder fokussiert wären.
Alle Altersgruppen können die Unterstützung von anderen Menschen gebrauchen. Wir leben in einer Welt, in der man sich gegenseitig braucht und auch brauchen wird. Es wird immer Menschen geben, die in Not sind, deren Kindheit nicht problemlos verlaufen ist (da kann man sich schon wieder fragen, was unter problemlos überhaupt zu verstehen ist) und die sich in einer Lebenslage wiederfinden, bei der Unterstützung einiges bewirken kann.

Wir Pädagogen wollen also die Welt ändern, könntet ihr jetzt fragen. Ich würde sagen, nein, wir verändern nicht gleich die ganze Welt, aber wir fangen im Kleinen an und legen eine positive Basis, aus der heraus die Welt veränder werden kann. Wenn wir z. B. ein Kind bei seiner Entwicklung unterstützen und dafür sorgen, dass es gut aufwächst, wird dadurch vielleicht erstmal ein kleines Menschenleben verändert.

Und dieser kleine Mensch wird irgendwann groß und dann seine weiteren Schritte tun. Zum Beispiel den Friedensnobelpreis gewinnen oder, wenn wir mal bescheidener denken, das Abitur schaffen, woraufhin der angestrebte Traumjob folgt.
Ich glaube, wir könnem mehr verändern, als wir denken. Wenn wir die Basis für etwas legen, kann das große Folgen für die Zukunft haben.

Als Erziehungswissenschafts-Studentin lerne ich zudem viel über Menschen, habe ich festgestellt. Menschen können ziemlich unterschiedlich sein, manchmal anstrengend, manchmal inspirierend - aber die Arbeit bleibt immer spannend. Wenn man einen Job hat, in dem man sich mehr mit Menschen auseinandersetzen muss als mit Technik, Zahlen oder Texten, dann weiß man meistens nie, was einen erwartet, wenn man zur Arbeit geht. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, auch wenn das viele, die ich kenne, verwundern mag. Der Umgang mit Menschen (ja, auch mit schwierigen Menschen) ist etwas, das mich jeden Tag aufs Neue fasziniert, immer und überall. Deshalb, liebe LeserInnen, habe ich angefangen, Erziehungswissenschaft zu studieren.

Dienstag, 1. Mai 2018

Sich selbst überwinden

Sehr oft höre ich den Satz, wenn es um Ernährungsgewohnheiten, sportliche Aktivitäten und Fächer an meiner Universität geht: "Also, das könnte ich ja nicht...".
Es ist absolut in Ordnung, nicht alles zu können oder gar zu wollen, denke ich, aber ich glaube, dass viele sich da unterschätzen. Wenn wir Zeit, Kraft und Mühe in etwas investieren, was uns begeistert, dann können wir auch viel mehr, als wir zuerst glauben.
Es ist nicht allzu lange her, dass ich in einer Zirkusgruppe angefangen habe, Aerial Dance und andere zirkusartistische Diszilpinen zu lernen. Und dabei habe ich auch neben den Tricks gelernt, dass es vor allem darum geht, sich selbst zu überwinden.
Ich mag das Zitat "What if I fall?" -"But darling what if you fly?" von Erin Hanson, das dazu sehr treffend ist. Oft haben wir die Befürchtung, dass wir etwas nicht schaffen und versuchen es gar nicht erst. Manchmal erscheint es so fern, dass wir es könnten, sodass wir uns gar nicht erst weiter damit befassen. Und dabei hätten wir doch die Möglichkeit, wenn wir es schaffen, etwas Wundervolles zu erleben - praktisch fliegen zu lernen. Jeder hat seine Art, fliegen zu lernen. Bei mir ist es Aerial Dance.

Ich habe beim Aerial Dance einen Trick gelernt, bei dem man sich an den Hüften in das Vertikaltuch einwickelt, die Arme frei hat und sich daraufhin kopfüber nach vorne fallen lässt. Vor allem in größerer Höhe könnte das später sicherlich für den einen oder anderen Adrenalinrausch sorgen. Ich als Anfängerin muss mir zuerst immer einen kleinen Ruck geben, bevor ich mich wirklich fallen lasse. So war es früher in der 4. Klasse auch beim ersten Mal vom Dreier-Turm springen. Ich stand oben, guckte aufs Schwimmbecken hinunter und gab mir einen Ruck, motivierte mich selbst.

Auch bei anderen Zirkusdisziplinen und generell Sportarten ist es von Bedeutung, sich zu überwinden. Um uns an Salto-Übungen heranzutasten, sollten wir über eine aufgestellte Matte springen. Oftmals blieben wir kurz vor dem Sprung stehen, weil wir daran zweifelten, es hinüberzuschaffen. Als wir dann aber trotzdem sprangen, konnten wir die Matte meistens zu unser eigenen Überraschung überwinden - erst nachdem wir unsere Befürchtungen ausgeschaltet hatten.

Wenn wir schaffen, uns in bestimmten Momenten zu überwinden, werden uns oftmals mehr Türen offen stehen als zuvor.
In dem Moment, an dem wir an unsere Grenzen gelangen, werden wir uns ihrer überhaupt bewusst und können -wenn wir es wünschen- an ihnen arbeiten. Dann haben wir auch die Möglichkeit, sie zu überwinden. Ich glaube, jedes Mal, wenn wir es schaffen, uns selbst zu überwinden, wachsen wir ein Stück an uns selbst. Die meisten Grenzen, die wir vorfinden, sind nicht durch die Lebensumstände oder andere Menschen vorgegeben, sondern existieren in uns selbst und in unserem Denken. Wenn wir denken, wir würden etwas niemals können, ist dies das schwerste Hindernis, nicht etwa unsere mangelnden Fähigkeiten.
Und wenn wir es erstmal geschafft haben, uns selbst zu überwinden, werden wir zudem belohnt mit dem Glücksgefühl darüber, dass wir etwas geschafft haben: Es gibt kaum etwas, dass sich besser anfühlt, als über sich selbst hinausgewachsen zu sein. ;)